Lobbi e.V.
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Kurzmeldungen

Wahlkampf - Musik
(von bnr.de / Maik Baumgärtner) Mit kaum einem anderen Projekt gelang es der NPD in der Vergangenheit soviel mediale Aufmerksamkeit zu erregen, wie mit den sogenannten Schulhof-CDs. Die Auflagenzahl der verschiedenen Tonträger, die zwischen 2004 und 2009 kostenlos – vor allem im Wahlkampf - verteilt wurden, soll in die Hunderttausende gehen. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl an Downloads von den Internetseiten der Partei. Kein Wunder also, dass nun der NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern nachziehen möchte und eine eigene CD-Produktion plant. Die Partei will sich offenbar bereits propagandistisch auf die Landtagswahlen im September 2011 vorbereiten. Treibende Kraft im Hintergrund scheint hier der NPD-Kommunalpolitiker David Petereit zu sein, der als einer der führenden Köpfe der Mecklenburger Kameradschaftsszene gilt. Er galt auch als wichtiger Kader des im Mai 2009 verbotenen Kameradschaftsnetzwerks Mecklenburgische Aktionsfront und betreibt den völkischen Levensboom-Versand, über den in der Vergangenheit verschiedene braune Musikprojekte ihre CDs veröffentlichten. Derzeit kursieren in der rechtsextremen Szene zwei Schreiben, die von Petereit unterzeichnet sind. In einem wird um Spenden für die CD-Produktion gebeten, im anderen wird den übrigen NPD-Landesverbänden angeboten, die neue CD mit einem entsprechend angepassten Adressfeld für ihre Öffentlichkeits- und Propagandaarbeit einzukaufen. Um die „Kosten für die Aktivisten, die diese dann verteilen gegen Null laufen zu lassen“, wird um Spenden an den Mecklenburger NPD-Landesverband gebeten, für die es dann auch eine „Spendenquittung“ gibt, die von der „Steuer abgesetzt werden kann“. Anonyme Spender sollen ihren Beitrag bei der nächsten „Tischsammlung reinhauen“. Im üblichen und autoritären Ton weist Petereit darauf hin, dass „inhaltliche Fragen zur CD“ nicht beantwortet werden, da „diese keine Diskussionsgrundlage ist.“ Insgesamt 14 Lieder „von Balladen bis Hardcore“ mit einer Spielzeit von 55 Minuten werden sich auf der CD finden, die ohne Beiheft in einer Papphülle verteilt werden soll. Für 3200 Euro können die übrigen NPD-Landesverbände 10 000 CDs bei Petereit bestellen.

Marsch - Musik
Zunächst marschierten am 05. März 2010 etwa 250 Rechte durch Sassnitz. Bei der revisionistischen Veranstaltung handelte es sich um einen „Trauermarsch“ der NPD aus Anlass des Jahrestages der Bombardierung der Stadt durch britische Bomber in den letzten Kriegstagen. Am Abend wurde dann nicht mehr getrauert.In einer Garagenanlage am Garzer Busch in der Nähe des ehemaligen Kreidebruches in Sassnitz feierten etwa 70 Rechte „Geburtstag“. Laut Gästebucheintrag in einem rechten Internetforum spielten dort die Bands Wiege des Schicksals, Einsatzgruppe D, Ultio Regnis, SawCrossLanes und Thrima.

Immer mehr braune „Boten“
Die „Boten“ waren das Thema einer Veranstaltung am 6. Februar in Rostock, bei der auch der rechte Liedermacher Martin Krause auftrat. Das größte Propaganda-Projekt von Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern wird seit 2001 sukzessive ausgebaut. Neben den bereits bestehenden Insel-, Uecker-Randow-, Greifswalder-, Anklamer-, Stralsunder-, und Lassaner Boten werden nun auch Demminer- Rostocker- und Strelitzer Boten produziert. Die kostenlosen mehrseitigen Hefte werden massenhaft und kontinuierlich in den entsprechenden Regionen in Briefkästen verteilt.

Lesenswert
Die Fachliteratur zum Thema Opferberatung im Allgemeinen ist überschaubar und zum Thema Opfer rechter Gewalt im Besonderen praktisch nicht vorhanden. Deshalb sei hier auf zwei Neuerscheinungen hingewiesen.
Beim Verlag für Sozialwissenschaften ist das Buch „Perspektiven professioneller Opferhilfe“ erschienen. Der Sammelband vereint interessante Beiträge zu Theorie und Praxis dieses interdisziplinären Handlungsfeldes aus wissenschaftlicher, rechtlicher, psychosozialer, praxisreflektierender sowie polizeilicher Sicht. Empfohlen sei insbesondere der Beitrag Gesa Köbberlings von der Opferperspektive Brandenburg mit dem Titel „Rechte Gewalt - Beratung im interkulturellen Kontext“. Herausgeber ist der Arbeitskreis deutscher Opferhilfen. [ISBN 978-3-531-17290-3]
Die Studie „Jugendliche im Dunkelfeld rechtsextremer Gewalt“ stammt aus der Schweiz. Martin Schmid und Marco Storni stellen hier ihre Ergebnisse der Befragung von Schülerinnen zu Viktimisierungsprozessen und Bewältigungstrategien vor. Die Frage, ob die Erkenntnisse der Soziologen auch auf hiesige Verhältnisse zu übertragen sind und auch die angewandte Opfertypologie, sind sicher noch weiter zu diskutieren. Doch als erster umfangreicher Forschungsbericht zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum ist das beim Seismo-Verlag erschienene Buch auf jeden Fall lesenswert. [ISBN 978-3-03777-071-9]

Go West
Spezialisierte Opferberatungsangebote für Betroffene rechter Gewalt wurden nun erstmals auch in zwei westdeutschen Bundesländern eingerichtet. Im Saarland begann das Projekt im August 2009 und in Rheinland-Pfalz wurde die Beratungsstelle Anfang 2010 eröffnet. Auch in Hessen war „Opferperspektiven ernst nehmen“ ein Thema. An der Tagung im Mai nahm auch die LOBBI teil. Im Juli hielt die LOBBI einen Vortrag zu rechter Gewalt und Opferberatung beim Beratungsnetzwerk der Stadt Hamburg.

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