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Angriffe auf Parteibüros ächten
Zu wenige Reaktionen aus der Zivilgesellschaft auf Anschlagsserie der
Neonaziszene
Pressemitteilung vom 22.07.2011
Der Beratungsverein LOBBI ruft zu einer größeren öffentlichen Ächtung
der rechts motivierten Attacken auf Parteibüros in
Mecklenburg-Vorpommern und einer stärkeren Solidarisierung mit den
Betroffenen auf. Angesichts des hohen Einschüchterungspotentials der
Anschlagsserie, gab es bislang zu wenige Reaktionen aus der
Zivilgesellschaft.
Seit Januar 2010 sind in Mecklenburg-Vorpommern über 70 mal
zielgerichtet Parteieinrichtungen und Wohnhäuser von Politikern
attackiert worden. Hinterlassene Parolen und die wohlwollenden
Kommentierungen auf Neonazi-Internetseiten lassen keinen Zweifel daran,
dass es sich um politisch motivierte Anschläge der rechten Szene
handelt. Das planmäßige Vorgehen, die große Anzahl der
Sachbeschädigungen und die fast landesweite Ausdehnung sprechen zudem
für eine gemeinsame, zielgerichtete und ideologisch begründete Kampagne
mehrerer Neonazigruppen.
Neben den erheblichen Sachschäden entfaltet die Anschlagsserie ein hohes
Einschüchterungspotential für die betroffenen Politiker/innen und ihre
Mitarbeiter/innen. Nach Erfahrungen der LOBBI entsteht darüber hinaus
eine Drohkulisse, die über die Einzelfälle hinaus reicht.
Parteimitglieder und andere Menschen könnten aus Angst vor
Neonaziattacken überlegen, sich überhaupt noch politisch zu engagieren.
Da die Erfolgsaussichten, die Täter zu ermitteln, sich bei
Sachbeschädigungen naturgemäß gering darstellen, sind andere Reaktionen
umso wichtiger. Bis auf die Statements der jeweils betroffenen
Politiker/innen sind derartige Reaktionen aber kaum wahrnehmbar.
Dabei geht es nicht um Sympathiebekundungen für bestimmte Parteien oder
ihre Politik. Es geht vielmehr um die Solidarisierung mit Betroffenen
rechter Angriffe und klare Zeichen, dass es sich nicht um
"Bürgerproteste" handelt, wie es die Neonaziszene darstellt.
Die LOBBI ruft Vereine, Bündnisse, Firmen, Einzelpersonen und andere
zivilgesellschaftliche Akteure auf, sich stärker als bisher zu
positionieren. Dies kann beispielsweise durch öffentliche Statements und
Aktionen, Unterstützung bei der Beseitigung der Schäden oder einfach
durch persönliche Gespräche mit den betroffenen Menschen geschehen.
Nur wenn die Adressaten rechter Angriffe merken, dass sie nicht alleine
sind und aktive Unterstützung erfahren, werden die Täter auf Dauer mit
ihren Einschüchterungsversuchen keinen Erfolg haben.
Darüber hinaus muss deutlich werden, dass die Attacken auf demokratische
Parteien Ausdruck einer reaktionären nationalsozialistischen Ideologie
und damit nicht unwidersprochen hinnehmbar sind.
siehe auch Artikel aus Perspektiven - Rundbrief der LOBBI / Sommer 2010:
Mit System gegen das System? >>>
siehe auch Artikel aus Perspektiven - Rundbrief der LOBBI / Sommer 2010:
Nicht nur ein Farbklecks an der Wand >>>
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