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Lobbi erhebt harte Vorwürfe gegen Polizei
Im Vorfeld zweier Kundgebungen für und gegen einen rechten Szene-Laden in Rostock ist es erneut zu Auseinandersetzungen gekommen.
Nordkurier vom 02.07.2007
Rostock (epd). Den Aufzug "Linken Gewalttätern keinen rechtsfreien Raum geben" hatte der NPD-Landtagsabgeordnete Birger Lüssow angemeldet. An einer Kundgebung am Sonnabend-Nachmittag nahmen laut Polizei 200 Menschen teil, darunter der NPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag, Udo Pastörs. Danach zogen die Neonazis zu dem Geschäft "East Coast Corner" in das linke Stadtviertel Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Vor dem kürzlich eröffneten rechten Szene-Laden war es mehrfach zu Krawallen gekommen.
Der Aufmarsch wurde von Gegendemonstranten mit "Nazis raus"-Rufen und Trillerpfeifen begleitet. Viele Rostocker hatten bunte Fahnen an ihre Fenster gehängt. "Ihr habt den Krieg verloren", riefen Anwohner den Rechten zu. Auch ausländische Bürger standen vor den Häusern und beobachteten den Aufzug. Viele Menschen seien bereit gewesen, persönlich Flagge zu zeigen, sagte Lena Fassnacht von der Bürgerinitiative "Bunt statt Braun". "Der Widerstand wird anhalten, bis der Nazi-Laden verschwunden ist."
Mehrere Gruppen von Autonomen wurden von der Polizei abgedrängt, um eine Konfrontation mit den Rechten zu verhindern. Entlang der Aufzugsstrecke sei es vereinzelt zu Protestaktionen gekommen, die jedoch "dank der Einsatzkräfte nicht zur Eskalation führten", erklärte die Polizeidirektion Rostock. Insgesamt seien neun Personen aus dem rechten und elf aus dem linken Spektrum festgenommen worden. Der Opferhilfeverein Lobbi sprach nach den Schlägereien zwischen Rechtsextremisten und Mitgliedern der linken Szene in einer S-Bahn in der Hansestadt von einem rechten Gewaltexzess. Rund 100 Neonazis hätten in der S-Bahn einen "offensichtlich gut vorbereiteten Angriff" gestartet und mit äußerster Brutalität auf Erwachsene und Kinder eingeprügelt. Auf dem Bahnsteig sollen ganze Büschel ausgerissener Haare der Opfer gelegen haben. Augenzeugen berichteten, dass die Rechtsextremisten ihren Angriff mit Digitalkameras und Handys fotografierten und filmten. Mehrere Personen seien bewusstlos geschlagen worden. Lobbi kritisierte, dass in dem Zug keine Polizei gewesen sei. Erst nach dem Halt in Pölchow seien Einsatzkräfte eingeschritten. Laut Zeugen seien sogar einige Opfer von Beamten verhöhnt worden. Die NPD hingegen behauptet, zuerst angegriffen worden zu sein.
Das politische Fest gegen Rechts in Rostock war von einem breiten Bündnis von Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen unter dem Motto "Schöner leben ohne Nazi-Läden" organisiert worden. Insgesamt kamen nach Veranstalterangaben rund 2000 Menschen. Die Polizei sprach von 400 Teilnehmern. Für den kommenden Sonnabend wurde laut Stadtverwaltung erneut ein NPD-Aufmarsch angemeldet.
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