Lobbi e.V.
English
Francais
Polskie
Pa-Russki
Espanol
Tieng Viet
Arabic

Kroate mit Elektroschocker gequält

Verein Lobbi will helfen

Ostseezeitung-Rostock vom 07.05.2008

Bad Doberan/Rostock Die Augen sind blau geschlagen, geschwollen, blutunterlaufen. Und Tomislav A. (25) zeigt an den Unterarmen Brandmale: "Da haben sie mich mit dem Elektroschocker getroffen." Ein Onkel seiner Freundin in Doberan habe ihn vergangene Woche zusammen mit zwei anderen Männern so zugerichtet. "Scheiß Ausländer, hau ab", hätten sie gerufen. Jetzt ist A. aus der Klinik entlassen und weiß sich keinen Rat: "Keiner hilft mir, auch die Polizei nicht, alle sind abweisend, Ausländer sind hier wohl nicht erwünscht."

Polizeisprecherin Yvonne Burand hört die Anschuldigung, die Polizei helfe nicht, mit Verwunderung. "Die Klinik in Rostock hat die Polizei benachrichtigt, als Herr A. sich dort vorgestellt hat." Doch A. habe den Beamten keine näheren Auskünfte zu den Tätern geben wollen und keine Anzeige gestellt. Deswegen sei Strafanzeige von Amts wegen gestellt worden, mittlerweile seien drei Tatverdächtige in Bad Doberan ermittelt: Sie sollen A. geschlagen und mit Füßen getreten haben, auch ein Elektroschocker sei eingesetzt worden. Tomislav A. sagt, er habe noch die Hoffnung gehabt, dass die Beziehung zu seiner 34 Jahre alten Freundin trotz des Vorfalls weiter bestehen könne. Und Angst vor weiteren Angriffen. Darum habe er auf die Anzeige verzichtet. Außerdem seien die Beziehungsprobleme und der Angriff mit möglicherweise rassistischem Hintergrund nicht die einzigen Probleme, die A. drücken.

A. ist gebürtiger Kroate, wohnt seit einem Jahr in der HansestadtRostock, arbeitete als Schiffbauer. Doch er verlor den Job und seine Aufenthaltsgenehmigung lief aus. Jetzt habe er nur noch ein Touristenvisum. Die Behörden hätten ihm mitgeteilt, für eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung müsse er zunächst nach Kroatien reisen: In seinen Unterlagen fehle der Einreisestempel. Mit ordentlichen Papieren könne er sofort Arbeit bekommen, habe eine Zeitarbeitsfirma zugesichert. "Die Reise ist teuer, und ich soll das Geld nur wegen eines einzigen Stempels ausgeben!" Ende des vergangenen Jahres hatte er einen Selbstmordversuch unternommen. Danach kam er in die Klink für Psychiatrie in Gehlsdorf. Ärzte bestätigten in einem Gutachten einen Strangulationsversuch vor dem "Hintergrund einer konfliktreichen Partnerschafts- und Trennungsproblematik" sowie verschiedener sozialer und finanzieller Probleme.

In der Klink sei ihm bei dem Schreiben von Anträgen geholfen worden, bestätigt A., auch habe er zurzeit Unterkunft bei der Obdachlosenhilfe. Aber auch in Rostock sei er als Ausländer wiederholt angepöbelt worden. Er brauche einfach Hilfe.

Die bieten Vereine. Zum Beispiel Lobbi. "Wir hören uns sofort alles an, was Herr A. zu erzählen hat, können zusammen nach Lösungen suchen", sagt Tim Bleis von Lobbi e.V. "Wir können mit unserer Berufserfahrung auch versuchen zu klären, ob die Gewalttat einen rassistischen Hintergrund hat", sagt Bleis. Doch oft sei das gar nicht so einfach festzustellen.

"Hoffentlich können die mir dort helfen", sagte A. gestern, als er vom Beratungsangebot bei Lobbi hörte. Jetzt gehe es ihm schon etwas besser. NICK VOGLER

Kontakt

[mehr]



Rechte Übergriffe melden

Unterstützung



 futureproject