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Kampf mit der Drei-Säulen-Strategie
Nordkurier-Neubrandenburg vom 15.11.2008
Von Andreas Segeth
Mecklenburg-Strelitz/Neubrandenburg. Im Landkreis Mecklenburg-Strelitz gibt es
laut Aussage von Polizeiinspektions-Chef Carsten Hofmann eine "kleine, aber
aktive" rechtsextremistische Szene. Bislang ist diese - anders als in anderen
Regionen - im hiesigen Landkreis in keinem Kommunalparlament vertreten. Geht es
nach den Neonazis, soll sich das mit den Kommunalwahlen im kommenden Jahr
ändern.
Experten sagen voraus, dass dieser Plan teilweise tatsächlich aufgehen könnte.
Immerhin gab es bei den vorangegangenen Landtagswahlen auch in
Mecklenburg-Strelitz einiges an braunem Wählerpotenzial. So stimmten in
Friedland 14,4 Prozent für die NPD, in Woldegk 11,8 Prozent, in Neustrelitz
waren es 7,3 Prozent. Den größten Anteil im Kreis verbuchten die Extremisten in
Petersdorf: 15,9 Prozent. Kreisweit waren es etwa acht, in Neubrandenburg 6,3
Prozent. Solche Zahlen kommen nicht nur durch die offen auftretende rechte Szene
zustande.
Im Präventionsrat des Landkreises war man sich in dieser Woche einig, dass
ziviles Engagement und offener Umgang mit dem Problem der beste Weg seien,
diesen Tendenzen zu begegnen. Viele Bürger wissen aber nicht genug über die
hiesige rechte Szene, um kompetent mit ihr umzugehen.
Der Nordkurier gibt deshalb heute einen kurzen Abriss über den aktuellen
Wissensstand. Quellen sind das Zentrum für Demokratische Kultur Mecklenburgische
Seenplatte, Lobbi e.V. und die Verfassungsschutzberichte, die übrigens
öffentlich auf der Internetseite des Innenministeriums einzusehen sind:
Der Kreisverband der NPD Neubrandenburg/Mecklenburg-Strelitz ist eine von sechs
Unterorganisationen in Mecklenburg-Vorpommern. Landesweit soll es derzeit etwa
400 Mitglieder geben. Als hiesiger Kreisvorsitzender gilt der Neustrelitzer
Marco Zimmermann. In einigen Quellen wurden auch schon Thomas Bröcker
beziehungsweise Norman Runge genannt. Der Kreisverband darf eher als leere Hülle
gelten - der letzte Eintrag auf dessen Homepage über eine regionale Aktion
stammt von April.
Aktiver ist die so genannte "Mecklenburgische Aktionsfront (MAF)" als eine Art
Dachverband jener regionalen Neonazi-Kameradschaften, mit denen die NPD
landesweit seit einigen Jahren eng zusammenarbeitet. Einige ihrer Vertreter sind
mittlerweile als Landtagsabgeordnete oder Fraktionsmitarbeiter im rechten
"Establishment" angekommen.
Die MAF, die im Kern etwa 15 bis 20 Personen umfasst, gilt laut
Opferschutzverein Lobbi e.V. einer der gewalttätigsten Kameradschaftsbünde in
Mecklenburg-Vorpommern. Allein innerhalb der kommenden fünf Wochen stehen im
Amtsgericht Neustrelitz Verhandlungen gegen vier verschiedene Täter wegen
Delikten wie Körperverletzung oder auch Volksverhetzung an, hieß es gestern. Das
Regionalzentrum für Demokratische Kultur zählte 2007 insgesamt 24 Straftaten aus
dem Dunstkreis der MAF heraus.
Zur MAF zählen unter anderem lose Gruppierungen in Neustrelitz und Mirow, eine
"Kameradschaft 444", die erstmals bei der NPD-Demo in Neubrandenburg auftauchte,
sowie der "Burg Stargarder Freundeskreis" oder auch der "Unabhängige Stargarder
Jungsturm". Zu den Aktivisten zählen hier unter anderem Norman Runge aus Burg
Stargard und David Petereit aus Neustrelitz. Letzterer studiert nicht nur Jura,
sondern verdient auch Geld mit einem Internet-Versandhandel für
Neonazi-Devotionalien und einem Verlag. Zudem produziert er rechte Bands. Auch
die "Heimattreue Deutsche Jugend", die vom Bundesinnenministerium in der
Tradition der Hitlerjugend sowie der verbotenen Wiking-Jugend gesehen wird, hat
in Mecklenburg-Strelitz ihre Vertreter.
Die NPD hat vor einigen Jahren die Drei-Säulen-Strategie entwickelt: "Kampf um
die Parlamente, Kampf um die Straße, Kampf um die Köpfe". Ein Teil davon ist die
Unterwanderungstaktik: Rechtsextremisten versuchen, in Feuerwehren oder Vereinen
Einfluss zu gewinnen. Das musste gerade ein Sportverein aus dem Landkreis bitter
erfahren. Ein Rechtsextremist hatte es bis in den Fan-Beirat geschafft, ehe die
Vereinsführung von dessen Gesinnung Wind bekam. Momentan arbeitet der Verein eng
mit dem Regionalzentrum für Demokratische Kultur zusammen, um mit dem Problem
umzugehen.
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