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Neonazis drohen mit Gewalt - Loitz sagt Konzert ab

Ostseezeitung vom 13.01.2009

Aus Angst vor Übergriffen rechter Gewalttäter untersagte der Bürgermeister der vorpommerschen Kleinstadt eine Veranstaltung gegen Rechtsextremisten.

Rostock/Loitz (OZ) Nach Drohungen aus der Neonazi-Szene hat die Stadt Loitz (Kreis Demmin) am Wochenende eine Veranstaltung gegen Rechtsextremismus abgesagt. Die Opferhilfeorganisation Lobbi MV kritisierte die Entscheidung des Loitzer Bürgermeisters Johannes Winter (CDU). Die Absage zeige, dass Rechtsextremisten durch bloße Drohungen Veranstaltungen verhindern könnten, so Sprecher Kay Bolick gestern. Extremismusexperte Günther Hoffmann sprach von einem "Skandal". Die Stadtverwaltung sei vor Rechtsextremisten eingeknickt.

Was war geschehen? Anfang Dezember hatte u. a. die Rostocker Ska-Band Feine Sahne Fischfilet eine Veranstaltung unter dem Motto "Bunt, niedlich, weltoffen" in der 4500-Einwohner-Stadt Loitz organisiert. Auf einem Konzert wollte die Band im Schützenhaus ihre CD vorstellen; zuvor sollten Vorträge, etwa zur rechten Gewalt, stattfinden. "Zu den Vorträgen wollten auch viele ältere Bürger aus Loitz kommen", betont Bandmitglied Tim Burmeyster. Man habe für die Vorträge mit 50 Teilnehmern gerechnet, für das Konzert mit rund 200. Nach Drohungen und plakatierten Gewaltaufrufen von Neonazis hatte jedoch Bürgermeister Winter die Veranstaltung in der vergangenen Woche kurzfristig abgesagt. "Es gab Gerüchte, dass Rechtsextremisten abends das Konzert angreifen wollen", sagt Winter. Die Gefahr von Übergriffen sei groß gewesen, selbst wenn die Polizei die Veranstaltung geschützt hätte.

Die Band hatte das Konzert daher nach Greifswald verlegen müssen. Auch für Burmeyster, der in der Gruppe Trompete spielt, ist die Absage ein Skandal: "Es kann doch nicht sein, dass Neonazis auf diese Weise Einfluss auf die Lokalpolitik nehmen", sagt der 24-Jährige, der aus der Region Demmin stammt und derzeit in Rostock u. a. Politikwissenschaft studiert.

Absagen von Veranstaltungen aus Angst vor rechten Gewalttätern sind keine Einzelfälle im Land. So war im Mai 2008 ein Konzert in Gadebusch nicht genehmigt worden. Einige Tage zuvor hatten dort 15 Neonazis eine Gruppe Jugendlicher angegriffen und teils erheblich verletzt. Zudem war ein für Juni geplantes Festival von der Stadt Parchim untersagt worden. Begründung der Verwaltung: Es hatte zuvor auf Stadtfesten Ausschreitungen durch Rechtsextremisten gegeben.

Neonazis feiern unterdessen in einschlägigen Internetforen die Absage von Loitz als Erfolg. "Solche Vorgänge stärken das Selbstbewusstsein der Rechtsextremisten", sagt Lobbi-Mitarbeiter Bolick. Rechtsextremismus-Experte Hoffmann befürchtet zudem, "dass gewisse ländliche Regionen von der Demokratie widerstandslos aufgegeben werden".

Band-Mitglied Burmeyster betont, dass man in der Region Demmin trotz der Absage weiterhin Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus planen werde. "Wir lassen uns doch nicht einschüchtern."

AXEL MEYER

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