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Wohnsitz des SPD-Ortschefs angegriffen

Nordkurier-Teterow vom 15.01.2009

Von Eberhard Rogmann

Teterow. Die Polizeimeldung umfasst lediglich drei dürre Zeilen. Danach haben Unbekannte des Nachts die Fassade eines Eigenheims mit Farbbeuteln beworfen. Verunreinigt wurde dabei auch ein Pkw, wobei ein Gesamtschaden von etwa 500 Euro entstand. Das betroffene Gebäude ist der Wohnsitz von Frank Luttmann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Teterow. Da das Haus in einem Wohngebiet steht, gehe er davon aus, dass der Angriff ihm persönlich galt, räumt der Betroffene gegenüber unserer Zeitung ein.

Was den oder die Täter und ihre Motive betrifft, zeigt sich die Polizei wortkarg. "Es gibt kaum Spuren, keine definitiven Hinweise", sagt Dietrich Finnern, stellvertretender Revierleiter. Aus dem Umstand, dass nahezu zeitgleich eine Gedenktafel an die jüdische Synagoge in der Stadt zerstört wurde, könne man nicht zwangsläufig auf einen Zusammenhang und einen rechten Hintergrund schließen. Andererseits sei schon auffällig, dass sich Straftaten aus der rechten Szene in der Stadt in den letzten Wochen häuften.

Deutlicher wird da schon die Politikwissenschaftlerin Elisabeth Siebert vom Regionalzentrum für demokratische Kultur in Bad Doberan, eine Einrichtung, die die Bewegung der rechten Szene beobachtet und analysiert. "Die Handschrift dieser Anschläge ist bekannt. Ähnliche Vorfälle gab es gegen die hiesige Geschäftsstelle der Linken sowie das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten in Rostock." Die Teterower Attacke hingegen markiere eine neue Qualität insofern, als sie im Privatbereich eines Politikers erfolgte.

Die jüngsten Vorfälle mit rechtem Hintergrund in der Bergringstadt ordnet der Rostocker Verein Lobbi einer Neustrukturierung der freien Kameradschaften zu. In den Vorjahren sei die Szene wenig organisiert gewesen, Gewalttaten gegen Personen und Sachen meist spontan, oft in Zusammenhang mit Alkohol verübt worden. Anders dagegen der unterbundene Fackelaufmarsch am 9. November, die Graffiti-Schmierereien an exponierten Gebäuden und jetzt die Attacke gegen den SPD-Aktivisten sowie die Gedenktafel. Das lasse auf Führung und gezielte Aktion schließen.

Eine Einschätzung, die die Politikwissenschaftlerin Elisabeth Siebert teilt. Gerade auch angesichts der bevorstehenden Wahlen hält sie es für eminent wichtig, dass die Öffentlichkeit diesen Provokationen entschieden begegnet und den Opfern beisteht.



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