Lobbi e.V.
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Rechter Schwerpunkt Gadebusch

Schweriner Volkszeitung-Gadebusch vom 26.02.2009

Der Beratungsverein Lobbi hat im vergangenen Jahr mehr als 100 rechtsmotivierte Angriffe in MV registriert. Neben Boizenburg sei Gadebusch ein regionaler Schwerpunkt. Inzwischen wächst die Sorge, dass Neonazis in die Dorfparlamente einziehen könnten.

von Michael Schmidt

GADEBUSCH - Schmiererei mit rechten Parolen am alternativen Jugendtreff, Hassparolen am Wahlkreisbüro einer linken Bundestagsabgeordneten und Bedrohungen sowie Angriffe von Jugendlichen - der Beratungsverein listet diese und weitere Zwischenfälle in der Bilanz 2008 auf. Nach Angaben des Beratungsvereins Lobbi ist Gadebusch neben Boizenburg ein regionaler Schwerpunkt rechter Übergriffe. Ziel seien vor allem alternative Jugendliche, bei einem Viertel der Attacken war Rassismus das Motiv.

Das Innenministerium wird im April konkrete Zahlen zu den politisch motivierten Straftaten aus dem vergangenen Jahr vorlegen. Nach Angaben des Ministeriums wurden 2007 im so genannten Phänomenbereich Rechts 486 Straftaten in MV registriert. Davon wiesen 62 Fälle eine fremdenfeindliche und 23 eine antisemitische Motivation auf. Bei 34 Fällen handelte es sich um Gewaltstraftaten.

"Wir nehmen die Sache ernst. Wir wissen aber auch, dass es jugendliche Gruppierungen beider politischen Richtungen gibt und sich zum Teil gegenseitig provozieren. Das trifft für Gadebusch aber auch für andere Regionen zu", sagte gestern ein Sprecher der Polizeidirektion Schwerin. Nach seinen Angaben konnte inzwischen ein Hauptbeschuldigter ermittelt werden, der in Gadebusch das Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Dr. Martina Bunge (Die Linke) mit Hetzparolen beschmiert haben soll. Der Mann sei bislang nicht als Mitglied der rechten Szene in Erscheinung getreten.

Mit den Kommunalwahlen im Juni wächst die Sorge, dass Neonazis den Sprung in die Kommunalparlamente schaffen könnten. "Wir werden sehr genau darauf achten, ob es Bewerber mit rechter Gesinnung gibt. Was wir brauchen und haben, sind gute Leute, die sich für ihre Städte und Gemeinden engagieren wollen. Je mehr von ihnen kandidieren, umso geringer sind die Chancen für Extremisten", so der Verwaltungschef des Amtes Gadebusch, Ulrich Howest.

In Gadebusch machen sich seit Jahren Bürger gegen rechte Gewalt stark. "Die Menschen sind seitdem wachsamer geworden. Die Situation ist nach meiner Einschätzung nicht mehr so extrem gegeben wie noch vor einigen Jahren. Immer mehr Bürger schließen sich dem Aktionsbündnis Runder Tisch an", sagt Gadebuschs Schulsozialarbeiterin Judith Keller.

Einen Beitrag für eine Gesellschaft, die rechten, rassistischen und antisemitischen Diskriminierungen entgegengetreten, will auch der Verein Lobbi leisten. Er unterstützt u. a. Betroffene rechter Gewalt. Der Verein war 2001 gegründet worden und erhält finanzielle Unterstützung durch das Land und den Bund.

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