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Nazi-Fasching im ASB-Club
Ostseezeitung-Rostock vom 07.03.2009
Eine Gruppe Rechtsradikaler konnte vor einer Woche im Jugendclub "Schiene"
ausgelassen feiern. Der Raum war ihnen zuvor von den Mitarbeitern des ASB
vermietet worden.
Schmarl Braune Invasion in einem Rostocker Jugendclub: Am vergangenen Sonnabend
feierten Neonazis im Schmarler Jugend- und Familienzentrum "Schiene" eine
ausgelassene Party. Träger der Einrichtung ist der Arbeiter-Samariter-Bund
(ASB). Die Sause war als Familienfeier getarnt. Nach Informationen der
antifaschistischen Initiative "A3" hätten die Nazis während der Veranstaltung in
Faschingskostümen zu Rechtsrock getanzt und fremdenfeindliche Parolen gegrölt.
Zu Gast soll neben mehreren NPD-Mitgliedern sowie Kameradschaftsaktivisten auch
der überregional bekannte Rechtsextremist David Petereit gewesen sein. Petereit
ist Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion und zählt zu den engsten Verbündeten
von Birger Lüssow. Der sitzt als Abgeordneter für Nazi-Partei im Schweriner
Schloss und betreibt den Szene-Laden "Dickkoepp" in der Kröpeliner Tor-Vorstadt.
Nach Angaben von "A3" soll ein Verkäufer aus Lüssows rechtem Devotionalien-Laden
den Saal angemietet haben. Im Mietvertrag, der der OZ vorliegt, ist ein Normen
S. aus Rostock als Veranstalter eingetragen. Die Party war für den Zeitraum
zwischen 15 Uhr nachmittags und 3 Uhr morgens anberaumt. Der ASB-Jugendclub
kassierte im Gegenzug 120 Euro Miete und verlangte zur Sicherheit eine Kaution
von 200 Euro. In dem Haus am Schmarler Bach kamen die Rechtsextremisten voll auf
ihre Kosten und durften auch den vorhandenen Billardtisch benutzen. Selbst
Musikanlage, Geschirrspüler und E-Herd waren an diesem Tag inklusive.
Andrea Rittiger, Geschäftsführerin der ASB-Gesellschaft für Kinder- und
Jugendhilfe bestätigte den Vorfall. Es sei so gewesen, dass Normen S. für die
Mitarbeiter in der "Schiene" nicht als Neonazi zu erkennen gewesen sei. "Es war
so, dass andere Jugendliche, die das Kinder- und Familienzentrum besucht haben,
misstrauisch wurden." Rittiger spricht von einem "einmaligen Vorfall".
Die Initiative "A3" sieht das gänzlich anders: "Das war nicht die erste Party in
dem Club." Weiter heißt es in einer Mitteilung der Antifaschisten: "Nach einer
anderen Veranstaltung blieben einschlägige Aufkleber und Musik-CD´s mit
rechtsradikalen Texten zurück." Auch für diese Feier soll jemand aus dem Umfeld
des Nazi-Ladens die Räume in der "Schiene" organisiert haben. Ob dies ebenfalls
Normen S. war - unklar. Auf OZ-Nachfrage legte er sein Handy sofort wieder auf.
Tim Bleis von "Lobbi", einer Beratungsstelle rechtsextremistischer Gewalt,
kritisiert das "fehlende Problembewusstsein" des ASB: "Wenn so etwas dort öfter
vorkam, ist das ein dickes Ding." Er glaubt, dass S. früher als Jugendlicher
selbst oft in der "Schiene" war und dieses Vertrauen nun ausgenutzt habe.
ASB-Geschäftsführerin Rittiger ist in Alarmbereitschaft versetzt. "Wir müssen
uns was einfallen lassen, dass so etwas nicht wieder vorkommt.
Liane Melzer (SPD), die für den Jugendbereich zuständige Senatorin im Rathaus,
hat bereits eine umfassende Aufklärung angeordnet. "Ich werde in der nächsten
Woche sofort Gespräche zwischen Jugendamt und dem Träger veranlassen. Diese
Situation können wir nicht hinnehmen", sagte Melzer.
Polizeisprecher Volker Werner hat ebenfalls wenig Verständnis. "Ich verstehe
nicht, warum niemand die Polizei rief, wenn dort rechtsextreme Parolen gerufen
worden sind. Diese Fälle nehmen wir sehr ernst."
BENJAMIN FISCHER
HINTERGRUND
Rechtsextreme drohen Sozialarbeitern in der Südstadt
In der Rostocker Südstadt versucht offenbar eine feste rechtsextreme Clique
Einfluss auf mehrere Jugendclubs auszuüben. Dies wurde übereinstimmend von
mehreren Beratungsstellen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, bestätigt.
Zurzeit sind drei bis vier Einrichtungen davon betroffen.
Nach OZ-Informationen besteht die Gruppe im Kern aus etwa zehn Personen und wird
bereits vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie soll seit vier bis fünf Jahren
existieren. Die organisierten Mitglieder sind keine Jugendlichen, sondern
mehrheitlich junge Erwachsene.
Jürgen Mertag, sozialpädagogischer Leiter im Stadtteilbegegnungszentrum
"Heizhaus", weiß, was das heißt. In der Vergangenheit gingen dort Neonazis ein
und aus und pflegten widerspruchslos ihren rassistischen Lifestyle. Im Herbst
übernahm Mertag das "Heizhaus" gemeinsam mit einem Verein. Seitdem sind Neonazis
dort unerwünscht. "An unseren Computern sind rechte Internetseiten, wie die der
NPD, gesperrt", beschreibt er eine der Maßnahmen. "Diese Leute wollen wir hier
nicht haben." Dieses entschlossene Auftreten gegen Nazis hat auch dazu geführt,
dass er und seine Mitarbeiter des Öfteren massiv bedroht werden
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