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Stolpersteine erneut übel beschmiert
Nordkurier-Waren vom 17.04.2009
Von Thomas beigang
Waren. Nun schon zum zweiten Mal: Die "Stolpersteine" auf Warens neuem Markt,
die an in der Nazi-Zeit deportierte und umgekommene Bürger aus Waren erinnern
sollen, sind erneut beschmiert worden. Warens Polizeichef Jens Fischler sagte
auf Nachfrage, dass Streifenbeamte gestern früh die Untat entdeckt hätten. In
der Nacht zum Donnerstag müssen die noch unbekannten Täter hier ihre feige Tat
begangen haben.
"Wohl mit Säure", so der Anfangsverdacht Fischlers, "sind die Stolpersteine
beschmiert worden." Erst Anfang März sind die vier Metallplatten mit den
eingravierten Namen der jüdischen Familie Rosenberg mit brauner Farbe beschmiert
worden. Die Stadt musste seinerzeit die vier Steine zur Reinigung ausbauen.
Gestern Mittag, so Polizeichef Fischler, hätte eine Reinigungsfirma im Auftrag
der Stadt damit begonnen, die jüngsten Schmierereien zu beseitigen. Noch hätte
man keine konkreten Verdachtsmomente, heißt es von der hiesigen Polizei. Die
Ermittlungen seien an den Staatsschutz in Neubrandenburg übergeben worden.
Seit Mitte des vergangenen Jahres hat diese Art von Straftaten in Waren
zugenommen. Der Neubrandenburger Verein zur Unterstützung von Opfern
rechtsextremer Gewalt "Lobbi" hat schon vor Wochen hinter solchen Anschlägen die
so genannten Autonomen Nationalisten vermutet. Die nach Einschätzung des Vereins
aktionsbereitesten Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern werden auch für zahlreiche
ähnliche Straftaten in Güstrow, Teterow und Rostock verantwortlich gemacht.
Diese Gruppierung soll ebenso für die Störungen am 9. November in Waren
"zuständig"gewesen sein, als viele Einwohner der Opfer der Nazi-Pogrome
gedachten.
Anlässlich dieser Gedenkveranstaltung sind auf dem neuen Markt der Kreisstadt
die vier "Stolpersteine" verlegt worden - ein sichtbares Zeichen gegen
Intoleranz und Rassismus. Die Initiative stammt aus Köln, der Idee haben sich
schon viele deutsche Städte, unter anderem Neubrandenburg, angeschlossen. Die
Steine werden meist vor dem letzten Wohnhaus der verfolgten Juden eingelassen,
auf den Tafeln sind Namen, Deportationsdatum und der Todesort graviert. In Waren
lebten bis 1938 etwa 35 jüdische Mitbürger.
Die ersten vier "Stolpersteine" in der Kreisstadt hatte Warens Stadtpräsident
Andreas Handy vorfinanziert. Der CDU-Politiker hielt auch während der Verlegung
der Gedächtnisplatten im November die Gedenkrede vor den versammelten Gästen.
ANDREAS SPEIT
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