Einjährige Haftstrafe für rechten Schläger

Pressemitteilung vom 20.09.2007

Nach einem rassistisch motivierten Angriff verurteilte das Amtsgericht Wismar den Täter heute wegen gefährlicher Körperverletzung.

Am 01.03.2006 wurde in einem Wismarer Neubaugebiet ein Student aus dem Sudan aus einer Gruppe von drei Personen zunächst rassistisch beschimpft und anschließend mit einer Bierflasche attackiert. Der Angreifer bezeichnete den Betroffenen als "Neger" der "zurück nach Afrika" gehen solle. Der Rechte verbüßte zu diesem Zeitpunkt eine mehrjährige Haftstrafe in der JVA Neustrelitz und befand sich auf Hafturlaub.

Am heutigen zweiten Prozesstag fanden die Plädoyers und der Urteilsspruch statt. Dabei ging sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der vorsitzende Richter sehr detailliert auf die rassistische Motivation des Angreifers, als auch auf die Folgen rechter Gewalt für Betroffene und Gesellschaft ein. So drückte der Richter seine Sorge aus, dass Wismar sich zu einer "no go area" entwickelt, in der Menschen mit dunkler Hautfarbe sich nicht mehr angstfrei bewegen können. Er berichtete auch von Anfeindungen aus der rechten Szene gegen seine Person, in denen er u.a. als "Judensau" beschimpft wurde.

"Eine solche schonungslose und konsequente Schilderung der Ursachen und Folgen rechtsmotivierter Angriffe erleben wir in unserer Beratungspraxis bei Gerichtsprozessen leider nur selten." so ein Mitarbeiter von LOBBI.

Der Betroffene des Angriffs hatte sich dem Prozess als Nebenkläger angeschlossen. Er begrüßte das Strafmaß und vor allem die klaren Worte des Richters, der Staatsanwaltschaft und seiner Anwältin. "Ich möchte ihnen für dieses Urteil danken und freue mich sehr über den klaren Appell gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit." sagte der Student nach dem er vom Urteil und vom Prozessverlauf erfuhr. Er konnte am heutigen Tag nicht persönlich anwesend sein. Das Urteil des Amtsgerichtes Wismar ist noch nicht rechtskräftig.