In Gedenken an Jürgen Seifert

Nachricht vom 09.07.2020

Heute vor 20 Jahren wurde Jürgen Seifert in Wismar aus sozialdarwinistischen Motiven ermordet.

Der wohnungslose 52-jährige Jürgen Seifert wurde am 09. Juli 2000 in Wismar von fünf jungen Männern mit rechter Gesinnung ermordet. Sie suchten Jürgen Seifert in einem leerstehenden Haus auf, um Geld von ihm zu erpressen. Als er ihnen kein Geld geben konnte, misshandelten sie ihn derart brutal, dass er an seinen Verletzungen erlag.

Die Täter zeigten durch Tätowierungen ihren Bezug zur rechten Szene. Auch wurden bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen Nazidevotionalien gefunden. Obwohl die Staatsanwaltschaft anerkannte, dass die Täter neben Habgier auch durch den „Hass auf Obdachlose“ zu ihrer Tat bewogen wurden, spielte eine politische Motivation keine weitere Rolle im Verfahren. Die Täter wurden wegen Mordes und Totschlags zu Freiheitsstrafen zwischen 15 Jahren und vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

Der Mord an Jürgen Seifert war einer von vier Morden an Wohnungslosen oder als sozial randständig wahrgenommenen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern allein im Jahr 2000. Auch Norbert Plath in Ahlbeck sowie Klaus-Dieter Gerecke und Eckard Rütz in Greifswald wurden aus sozialdarwinistischen Motiven ermordet. Die Täter waren teils sehr jung und fühlten sich alle der rechten Szene zugehörig.

Der Mord an Jürgen Seifert auch 20 Jahre später immer noch nicht staatlich anerkannt. Ein lokales Gedenken gibt es nicht.