Mehr rechtsmotivierte Angriffe in Mecklenburg-Vorpommern

Pressemitteilung vom 09.02.2007

Opferberatungsverein LOBBI konstatiert deutlichen Anstieg im Jahr 2006

Im Jahr 2006 erreichte die rechtsmotivierte Gewalt in Mecklenburg/Vorpommern ein neues Ausmaß. Dem Beratungsverein für Betroffene rechter Gewalt LOBBI sind 103 Angriffe bekannt geworden - deutlich mehr als in den vergangenen Jahren (2005:62/2004:60). Davon waren mindestens 174 Menschen direkt und 96 Menschen indirekt betroffen.

Unter den Attacken finden sich sechzig Fälle von Körperverletzungen, wie etwa der Angriff auf Mitglieder einer niedersächsischen Jugendfussballmannschaft in Zinnowitz. Weitere achtzehn mal wurden zielgerichtet Sachbeschädigungen eingesetzt, die auf eine Schädigung bestimmter Personen abzielen. Darunter sind beispielsweise Angriffe auf Imbissbuden, Alternativ-Clubs und ein Parteibüro zu verstehen. In fünfundzwanzig Fällen handelt es sich um Nötigung oder Bedrohungen, insbesondere am Rande von Anti-Rechts-Veranstaltungen.

Mehrheitlich richteten sich die Attacken gegen alternative bzw. einfach "nicht rechte" Jugendliche. In 35 Fällen waren die Angriffe rassistisch motiviert. Neunzehn mal waren Menschen betroffen, weil sie sich gegen Neonazis engagieren oder wegen anderer politischer Aktivitäten.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der LOBBI haben im vergangenen Jahr mehr als 200 Menschen unterstützt. In der Regel wurden die direkt Betroffenen beraten, aber auch Zeugen, Angehörige und Freunde. Hauptunterstützungsfelder sind die psychosoziale Beratung sowie die Begleitung in den teilweise belastenden und langwierigen Ermittlungs- und Gerichtsverfahren.

Die genannten Angriffszahlen geben nicht die reale Situation in Mecklenburg/Vorpommern wieder. Durch tägliche Presserecherche in den Regionalmedien, Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern, einzelne Maßnahmen zur Dunkelfelderhellung und einen gestiegenen Bekanntheitsgrad in den potenziellen Betroffenengruppen erfährt die LOBBI zwar von vielen Fällen rechter Gewalt im Land. Die Beratungspraxis zeigt aber, dass sich gerade bei Migranten und alternativen Jugendlichen die als alltäglich empfundene Bedrohung und Diskriminierung negativ auf das Anzeigeverhalten und die Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten auswirkt.


Vorheriger: