Mindestens 79 rechtsmotivierte Angriffe im Jahr 2007

Artikel vom 31.01.2008

Mindestens 79 rechtsmotivierte Angriffe im Jahr 2007

Im Jahr 2007 recherchierte die LOBBI 79 rechte Angriffe in Mecklenburg-Vorpommern fest. Unter Angriffen werden Straftaten verstanden, bei denen die Tatumstände und/oder die Einschätzung der Betroffenen oder Dritter auf eine rechte Tatmotivation schließen lassen. Insbesondere sind dies:

36 Körperverletzungen, wie die Attacke auf einen 35-jährigen aus Bremerhaven und einen 28jähriger Torgelower vom 17. Mai am Strand des Haffbades Ueckermünde. Zuvor hatte der Mann aus Bremerhaven seinen Unmut über eine Gruppe von 20 - 30 Rechten geäußert, welche am Strand der Haffstadt rechte Lieder singend und mit Fahnen an ihm und vier Freunden vorbeizog.

27 Versuchte Körperverletzungen, Nötigungen und schwerwiegende Bedrohungen, exemplarisch gezeigt am Fall zweier afrikanischer Flüchtlinge. Die zwei in Rostock lebenden Männer werden am 13. Mai von ca. 10 Personen rassistisch beschimpft und bedroht. Sie wollen einer Auseinandersetzung aus dem Weg gehen, werden jedoch verfolgt und mit Flaschen und Stöcken beworfen, die sie nur knapp verfehlen. Oder wie am 13. Juni in Rostock. Am Rande eines Naziaufmarsches werden ein SPD Bundestagsabgeordneter und seine zwei Begleiter von mehreren Rechten umringt, bedroht und beleidigt. Nur das Eingreifen der alarmierten Polizei verhindert eine weitere Eskalation.

16 Sachbeschädigungen, die sich zielgerichtet gegen bestimmte Personen richten, darunter fallen beispielsweise die Angriffe auf das Büro der Linkspartei in Neustrelitz, das alternative Wohnprojekt TIKOZIGALPA in Wismar und einen Asia-Imbiss in Schwerin.

Mindestens zweihundertneunzehn Menschen waren im vergangenen Jahr von den rechten Attacken betroffen. Die Hauptopfergruppen waren MigrantInnen, alternative Jugendliche und politisch Aktive. Der größte Teil dieser Angriffe fand im öffentlichen Raum statt.

Mindestens zweihundertneunzehn Menschen waren im vergangenen Jahr von den rechten Attacken betroffen. Die Hauptopfergruppen waren MigrantInnen, alternative Jugendliche und politisch Aktive. Der größte Teil dieser Angriffe fand im öffentlichen Raum statt.

Der Anstieg rechter Gewalttaten aus 2006 setzte sich 2007 nicht in diesem Ausmaß fort, aber es gab immer noch mehr Angriffe als 2004 oder 2005.

Die Angaben zu den Angriffszahlen sind nach wie vor nur bedingt aussagekräftig. Die LOBBI geht auch für das 2007 von einer hohen Dunkelziffer weiterer Übergriffe aus. Zwar wurde in den meisten bekannt gewordenen Fällen Anzeige bei der Polizei erstattet. Doch zeigt die Beratungspraxis, dass eine Vielzahl von Betroffenen aus Angst oder Resignation auf diesen Schritt verzichtet und einige selbst Bedenken haben, vertrauliche Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Zudem zeigte sich, dass in Regionen in denen die LOBBI über Kooperations- und NetzwerkpartnerInnen verfügt, schon Beratungsverhältnisse bestehen oder lokale Akteure für das Thema sensibilisiert sind, Angriffe eher bekannt werden als in Gebieten, wo dies in geringerem Umfang der Fall ist.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der LOBBI haben im vergangenen Jahr 140 Menschen unterstützt. In der Regel wurden die direkt Betroffenen beraten, aber auch ZeugInnen, Angehörige und FreundInnen. Die Beratenen sind meist zwischen 18 und 27 Jahren alt und über sechzig Prozent sind Jungen und Männer. In vielen Fällen haben sich die Betroffenen selbst bei den Regionalbüros gemeldet oder wurden über Kooperationspartner vermittelt. Dennoch nahm auch die Recherche in Medien oder vor Ort, um Betroffenen das Beratungsangebot zu unterbreiten, einen großen Raum ein. In diesen Fällen wurde das Beratungsangebot fast immer in Anspruch genommen. Hauptunterstützungsfelder sind die psychosoziale Beratung sowie die Begleitung in den teilweise belastenden und langwierigen Ermittlungs- und Gerichtsverfahren.