NPD-Plakatiertrupp überfällt AnwohnerInnen

Pressemitteilung vom 19.08.2013

In der Nacht vom 14. zum 15. August kam es gegen 1:30 Uhr in Greifswald zu einem Angriff auf ein Wohnhaus in der Grimmer Straße. Nur mit Glück konnten sich die BewohnerInnen, die sich vor dem Haus befanden, in Sicherheit bringen. Nach Angaben der Betroffenen befand sich unter den Angreifern auch ein Kommunalpolitiker der NPD.

 

Zur Zeit startet die NPD auch in Mecklenburg-Vorpommern ihren Bundestagswahlkampf mit nahezu flächendeckender Plakatierung. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu gewalttätigen Übergriffen durch NPD-Unterstützer im Wahlkampf. In Greifswald wurden nun in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag vergangener Woche BewohnerInnen eines Hauses in der Grimmer Straße von einem Plakatiertrupp der Neonazi-Partei angegriffen.

Zunächst bemerkten die Betroffenen drei langsam vorbeifahrende Transporter. Als sich die Türen der Wagen öffneten und Personen heraussprangen, flüchteten die Anwohnerinnen in den Hausflur, da sie zudem einen der Transporter einem bekannten Greifswalder Neonazi zuordnen konnten. Die 15 bis 20 zum Teil vermummten und mit Knüppeln bewaffneten Neonazis stellten sich drohend vor das Haus und forderten die BewohnerInnen auf, herauszukommen. Bei einem der Angreifer soll es sich um einen NPD-Kommunalpolitiker und Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion von der Insel Usedom handeln. Er trat zunächst gegen die Eingangstür, brüllte die Betroffenen an und schlug letztlich die Scheiben der Tür ein, um ins Haus zu gelangen. Als dies nicht gelang, traten die Täter auf sich vor dem Haus befindliche Fahrräder ein und beschädigten diese zum Teil erheblich. Die Gruppe der Angreifer entfernte sich erst, als sie bemerkte, dass man im Haus bereits die Polizei verständigte.

Diese traf kurz nach dem Anruf vor Ort ein und ermittelt nun wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Die Beamten konnten die Täter in der direkten Umgebung zunächst nicht feststellen. Erst bei einer weiträumigen Fahndung konnten Fahrzeuge ermittelt werden, die den Beschreibungen der Betroffenen entsprachen. 

Vieles deutet darauf hin, dass es sich bei der Gruppe der Angreifer um einen Plakatiertrupp der NPD handelt, der bereits in den Stunden zuvor in der Hansestadt aktiv war. Nach Angaben von BeobachterInnen war dieser auch in anderen Orten Mecklenburg-Vorpommerns zur Anbringung der Wahlwerbung unterwegs und stellte jüngst einen Großteil der Ordner bei Propaganda-Veranstaltungen der NPD.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Neonazis im Zusammenhang mit Wahlkampf-Aktionen gewalttätig in Erscheinung treten. Bereits im Jahr 2011 verprügelte in Greifswald eine Gruppe NPD-Plakatierer nicht-rechte Jugendliche. 

„Es wird immer wieder deutlich, dass auch bekannte Neonazis nicht davor zurück schrecken, Gewalt gegen vermeintliche politische Gegner auszuüben. Die Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen, scheint dabei kaum eine Rolle zu spielen“, so Robert Schiedewitz, Mitarbeiter der Opferberatung LOBBI.

So wurden jüngst in Greifswald am Rande einer NPD-Kundgebung GegendemonstrantInnen von Ordnern der rechten Partei und lokalen Neonazis durch die Gassen gejagt – ein junger Mann wurde dabei getreten und verletzt. Jugendliche aus Stralsund berichteten, dass ihnen im Vorfeld eines NPD-Kinderfestes von Neonazis aufgelauert wurde, die sie mit Pfefferspray attackierten.