Wismarer Nazi-Schläger verurteilt

Pressemitteilung vom 14.06.2012

Haft- und Bewährungsstrafen gegen zwei Neonazis aus der Seestadt wegen eines Überfalls auf Alternative Jugendliche am Vorabend des 1. Mai 2011 in Greifswald

Das Amtsgericht Greifswald verurteilte gestern nachmittag zwei Neonazis aus Wismar zu Haftstrafen. Die Brüder hatten in der Nacht zum 1. Mai 2011 im Greifswalder Stadtteil Schönewalde drei Menschen wegen ihres Aussehens angegriffen und verletzt. Die Angeklagten räumten die Tat ein.

Nur wenige Stunden nach dem Übergriff nahmen die Täter (Bildmitte, Sonnenbrille; 4. v.r.) an der NPD-Demonstration zum 1. Mai in Greifswald teil.

Ein Mann erhielt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten wegen vorsätzlicher Körperverletzung - ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Zusätzlich soll er 200 Euro Schmerzengeld an einen der Verletzten zahlen. Der zweite Angeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung. Eine Bewährung wurde in diesem Fall abgelehnt, da der Mann die Tat nur zwei Wochen nach einer anderen Verurteilung verübte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Am 1. Mai 2011 fand in Greifswald ein Aufmarsch der NPD statt. Die beiden jetzt Verurteilten und weitere Neonazis reisten dafür bereits am Vortag an. Nach Angaben eines Verteidigers hielten sie sich am Abend in einer offenbar für auswärtige Demonstrationsteilnehmer organisierten Wohnung auf und verließen diese in der Nacht noch einmal, um Plakate anzubringen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Verurteilten dann auf drei Jugendliche trafen. Sie pöbelten einen der Jugendlichen zunächst wegen eines „Peace“-Zeichens auf seiner Jacke an. Im weiteren Verlauf schlugen die Brüder auf den damals 19-Jährigen, seinen 24-jährigen Begleiter und seine Begleiterin ein. Die Betroffenen erlitten Prellungen und zum Teil Platzwunden die ärztlich behandelt werden mussten. Die herbeigerufene Polizei konnte die Täter noch in der Nähe des Tatortes aufgreifen.

Die Angeklagten nahmen später am Aufmarsch der NPD teil. Es handelt sich um langjährige Mitglieder der rechten Szene. Sie posierten beispielsweise für einen Bildband des holländischen Fotografen Pieter Wisse über gewalttätige Wismarer Neonazis. Beide sind vorbestraft. Das Gericht hielt die Angeklagten für "unbelehrbar" und bezeichnete es als "dreist" und "traurig", dass einer der Angeklagten in einem eindeutigen T-Shirt zur Verhandlung erschien. Es handelte sich um einen Aufdruck der militanten englischen Rechtsrockband "Skrewdriver" mit einer geballten Faust als Motiv.

Im Vorfeld der NPD-Demonstration fanden weitere vermutlich rechts motivierte Übergriffe statt. Auf das Interkulturelle Wohnprojekt (IKUWO) wurde ein Brandanschlag verübt. Mitglieder der DGB-Jugend wurden von bewaffneten Vermummten verfolgt. In einem Studierendenwohnheim wurde eine Scheibe eingeschlagen.