perspektiven 2

Rundbrief der LOBBI, erschienen im Sommer 2008
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Liebe Leser*innen

wir möchten an dieser Stelle an Bernd K. erinnern. Im uckermärkischen Templin wurde am 22. Juli der leblose Körper des obdachlosen Tischlers entdeckt. Zwei Angehörige der rechten Szene werden verdächtigt, den 55-Jährigen durch Fußtritte gegen den Kopf umgebracht zu haben. Das Motiv ist unklar. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die 18und 21jährigen Täter sich ein „vermeintlich schwaches, am Rande der Gesellschaft lebendes Opfer“ auswählten. Bernd K. ist damit wahrscheinlich das 138. Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und FreundInnen.

Aus einer Gruppe von etwa 100 Rechten, die sich auf dem Weg zu einem NPD-Aufmarsch nach Rostock befanden, wurden am 18. Juni des letzten Jahres am Bahnhof Pölchow etliche Menschen brutal angegriffen. Seitdem ist dieser Überfall ein besonders komplizierter Bestandteil in der Beratungstätigkeit der LOBBI, mit dem zeitweise alle BeraterInnen beschäftigt sind. Einerseits handelt es sich um einen äußerst gewalttätigen Angriff, von dem sehr viele Menschen aus verschiedenen Bundesländern betroffen sind. Andererseits gehörten einige Angegriffene lange zum Beschuldigtenkreis der Polizei, während die rechten Gewalttäter weitgehend straflos davonzukommen scheinen. Die Journalistin Heike Kleffner stellt in dieser Ausgabe die Situation ein Jahr nach dem Gewaltexzess dar.

Naziaktivitäten

NPD-Kader ziehen nach M-V

Aus Hessen sind im Juli die langjährigen Gemeindeund Kreistagsabgeordneten der NPD Doris und Alfred Zutt nach Waren umgesiedelt. Doris Zutt ist seit 1992 Mitglied der Partei und gehörte zeitweise dem Bundesvorstand an. Alfred Zutt wurde im November des ...

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Endstation Plchow

Ende Juni 2007 schlugen Neonazis alternative Jugendliche in einer Regionalbahn zusammen. Ein Jahr danach hat die Staatsanwaltschaft noch immer keine Anklage gegen mutmaßlich beteiligte NPD-Kader erhoben.

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Zielgerichtete Einschchterung

Rechte Schmierereien werden als Sachbeschädigung oder als Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verfolgt. Tatsächlich wirken sie in vielen Fällen aber als konkrete Bedrohung für die Betroffenen. Eine ganze Serie rechtsmotivierter Sprühaktionen in letzter Zeit spricht für ein geplantes Vorgehen von Neonazis, um politische GegnerInnen, MigrantInnen sowie Juden und Jüdinnen zielgerichtet einzuschüchtern.

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Minderjährige als Opfer rassistischer Gewalt

Die Unterstützung von Kindern und sehr jungen Jugendlichen nach rassistischen Angriffen ist für die BeraterInnen der LOBBI regelmäßig mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Oft wird die Gewalt als „normale“ Auseinandersetzung zwischen Kindern eingeschätzt, bei minderjährigen Tätern fehlt meist die Möglichkeit rechtlicher Sanktionen und die Beratung schließt neben den direkt Betroffenen fast immer auch die Eltern mit ein. Über die besondere psychische Situation von Minderjährigen nach rassistischer Gewalt und deren Folgen sprach Perspektiven mit Eben Louw. Der Psychologe begleitet Gewaltopfer u.a. beim Partnerprojekt der LOBBI in Berlin Reach Out. Der gebürtige Südafrikaner arbeitete mehrere Jahre in London in einem Krankenhaus und als Dozent an der Metropolitan University. Seit 10 Jahren ist er als Trainer, Dozent und Berater in Deutschland tätig.

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Kultur fr alle

Landauf, landab finden in den Sommermonaten Konzerte, Festivals und OpenAir Partys in Mecklenburg-Vorpommern statt. Auch alternative Gruppen veranstalten derartige Events für ihre Freundeskreise, Gäste aus dem ganzen Land und TouristInnen. Für die OrganisatorInnen solcher Musikveranstaltungen gehört die Auseinandersetzung mit der Möglichkeit rechter Angriffe auf BesucherInnen leider regelmäßig mit zu den Vorbereitungen. Während die Aktiven sich davon nicht einschüchtern lassen wollen, sieht das bei einigen Ordnungsämtern anders aus.

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NPD-Mann wegen Krperverletzung verurteilt

Andreas Theißen ist Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Westmecklenburg und arbeitet für den Ordnerdienst der Partei. In dieser Funktion war er am Abend des 17. September 2006 auf einem Treffen der Partei in Schwerin tätig, auf dem der Erfolg bei den Landtagswahlen gefeiert ...

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Szeneladen-Betreiber vor Gericht

Am 23. April verurteilte das Rostocker Amtsgericht den ehemaligen Geschäftsführer des rechten Geschäfts East Coast Corner (ECC) Thorsten de Vries wegen versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 20 Euro. Der 46-jährige Neonazi aus Hamburg hatte im Juni 2007 ...

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Prozess ohne Opfer

Am 11. Juni fand vor dem Landgericht Rostock die Berufungsverhandlung gegen einen rassistischen Schläger statt. Der Betroffene des Angriffs war zu diesem Zeitpunkt schon seit drei Monaten nicht mehr in der BRD.

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