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Karow: Wer hat den Imbiss angezündet?

Ostseezeitung vom 29.10.2008

Nach dem Brandanschlag auf ein pakistanisches Restaurant in Karow bei Wismar ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Karow/Rostock (OZ) Wer steckt hinter dem feigen Brandanschlag von Karow? Unbekannte hatten in der Nacht zum Montag einen indisch-pakistanischen Imbiss in dem Dorf südlich von Wismar verwüstet. Auf die Wände haben die Täter Sprüche wie "Inder raus" geschmiert, in krakeliger Schrift. Die aufgesprühten Hakenkreuze sind seitenverkehrt dargestellt. Die Schweriner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen "Brandstiftung und Verwendens von Kennzeichen ehemaliger nationalsozialistischer Organisationen". Allerdings, so Oberstaatsanwaltschaft Hans-Christian Pick, könne auch die Möglichkeit eines nur vorgetäuschten, fremdenfeindlichen Motivs" nicht ausgeschlossen" werden. Grund sei das Erscheinungsbild der Hakenkreuze.

Was war geschehen? Am Montagmorgen hatten Mitarbeiter eines benachbarten Einkaufsmarktes Rauch bemerkt. Die Küche des Restaurants war von dem Feuer völlig zerstört, eine Geldkassette aufgebrochen worden, der Sachschaden ist erheblich. Der Betreiber, ein deutscher Staatsangehöriger pakistanischer Abstammung, war erschüttert. Die Attacke auf sein Lokal sei nicht die erste gewesen, sagte er. Mehrfach hätten zuvor Unbekannte seine Werbeschilder beschmiert oder zerstört.

Ob in Karow ein fremdenfeindlicher Hintergrund vorliegt, oder nicht: Fakt ist, dass es in MV immer wieder Anschläge gibt auf gastronomische Betriebe, die von Menschen mit so genanntem Migrationshintergrund geführt werden. Dabei komme es meist zu Sachbeschädigungen und Schmierereien, so Kay Bolick von der Opferschutzorganisation Lobbi MV.

Die Liste fremdenfeindlicher Anschläge im Land ist lang. Erst am vergangenen Wochenende wurde z. B. in Neubrandenburg ein Döner-Imbiss u. a. mit dem Schriftzug "Deutschland uns Deutschen" beschmiert. Im Juli hatten Neonazis in Güstrow einen Asia-Imbiss sowie den Imbiss einer vietnamesischen Familie mit Hakenkreuzen besprüht und angezündet. 2007 sorgte der Angriff betrunkener Neonazis auf einen Imbiss in Bützow für Aufsehen. Doch öffentlich bekannte Taten sind nur die Spitze des Eisbergs. "Viele Betreiber zeigen Sachbeschädigungen gar nicht an", sagt Bolick. Oftmals hätten die Opfer Angst, dass sie Ärger bekommen könnten mit ihren Kunden oder Nachbarn. In der Regel stünden die Opfer allein da. Bolick: "Dabei wäre es ganz einfach, wenn Kommunen oder Mitbürger den Betroffenen unbürokratisch Hilfe anbieten würden." Etwa bei der Entfernung von Schmierereien - oder indem man Solidarität bekundet. Wegschauen würde die Neonazis nur bestätigen.

Deutliche Worte fand zumindest Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nach dem Brandanschlag von Karow. "Übergriffe gegen Mitbürger mit Migrationshintergrund erfüllen mich mit Sorge und Abscheu", sagte Caffier. Man dürfe es nicht zulassen, dass Extremisten, zu "Gewalt und Hass gegen Ausländer anstacheln".

Unterdessen hetzte die rechtsextremistische NPD gestern in einer Mitteilung unverholen gegen polnische Mitbürger in Löcknitz (Kreis Uecker-Randow). Löcknitz, ereifern sich die Nationalisten, müsse wieder zu dem werden, "was es war: deutsch".
AXEL MEYER

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